Fräulein Rabbiner Jonas
Die Geschichte der ersten Rabbinerin der Welt - Buchvorstellung, Lesung und Gespräch mit Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg
Eine Frau, die Rabbinerin werden will – im Berlin der 1920er- und 1930er-Jahre. Was heute selbstverständlich erscheinen mag, war damals ein unerhörter Anspruch. Regina Jonas (1902–1944) stellte eine jahrhundertealte Tradition infrage und setzte sich gegen erhebliche Widerstände durch. 1935 wurde sie als erste Frau weltweit zur Rabbinerin ordiniert. Wenige Jahre später wurde sie von den Nationalsozialisten deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.
Wer war diese außergewöhnliche Frau? Woher nahm sie den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen? Wie begründete sie ihren Anspruch auf das Rabbinat aus der jüdischen Tradition heraus? Und warum geriet ihre Geschichte nach 1945 für Jahrzehnte nahezu in Vergessenheit?
In ihrem neuen Buch „Fräulein Rabbiner Jonas“ zeichnet die Historikerin und Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg das Leben einer Frau nach, die ihrer Zeit weit voraus war. Sie erzählt von jüdischem Leben im Berlin der Weimarer Republik, von Bildung und Emanzipation, von religiösen Auseinandersetzungen und gesellschaftlichen Grenzen. Zugleich eröffnet die Biografie einen neuen Blick auf die Geschichte des liberalen Judentums, auf weibliche religiöse Autorität und auf die Frage, wer Traditionen auslegen und weiterentwickeln darf.
Dr. Ulrike Offenberg ist Historikerin und seit 2016 ordinierte Rabbinerin. Sie wirkt als Gemeinderabbinerin in Hameln und betreut die Liberale Gruppe der Jüdischen Gemeinde Stuttgart. Als Mitglied des feministischen Netzwerks Bet Debora engagiert sie sich seit vielen Jahren für die Sichtbarkeit jüdischer Frauen und für den interreligiösen Dialog. Seit Herbst 2025 gehört sie zudem zum Gründungsteam des Regina-Jonas-Seminars für Liberale Rabbinatsausbildung an der Universität Potsdam. Mit ihrer neuen Biografie verbindet sie historische Forschung mit einer persönlichen und theologischen Perspektive auf das Leben Regina Jonas'.
An diesem Abend stellt Ulrike Offenberg ihr Buch vor, liest ausgewählte Passagen und kommt mit dem Publikum ins Gespräch. Dabei geht es um mehr als die Wiederentdeckung einer bemerkenswerten Persönlichkeit: Wie verändern Frauen religiöse Traditionen? Wer entscheidet darüber, wem geistliche Autorität zugestanden wird? Und was bedeutet es für unsere Erinnerungskultur, wenn wichtige Lebensgeschichten lange übersehen oder verdrängt wurden?
Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken und der Stadt Ochtrup.
Herzliche Einladung zur Teilnahme!
Kosten
Die Veranstaltung ist kostenfrei.
Anmeldung
Um Anmeldung wird gebeten an Ina Schulze-Bilk, Stadt Ochtrup, Fachbereich II / Schulen u. Kultur, E-Mail: ina.schulze-bilk@ochtrup.de.
Nachweis: suhrkamp Verlag

