Mehr Zweifel als Glaube?!
Wer war Jesus? Verborgene Stimmen – lebendige Fragen. Antworten aus den apokryphen Texten des frühen Christentums
Neben den Schriften des Neuen Testaments existiert eine faszinierende Welt frühchristlicher Texte, die über Jahrhunderte hinweg gelesen, diskutiert und verehrt wurden, schließlich aber keinen Eingang in den biblischen Kanon fanden. Diese sogenannten Apokryphen erzählen von der Kindheit Jesu, von Maria Magdalena, Judas, den Erscheinungen des Auferstandenen und von geheimen Weisheiten, die Jesus seinen Jüngern anvertraut haben soll. Sie eröffnen einen Einblick in die Vielfalt des frühen Christentums und zeigen, wie unterschiedlich Menschen die Person Jesu, die Bedeutung seiner Botschaft und die Hoffnung des Glaubens verstanden haben.
Die Reihe lädt dazu ein, bedeutende apokryphe Schriften kennenzulernen, ihre theologischen Anliegen zu entdecken und mit ihnen über Fragen nach Wahrheit, Tradition, Glauben und Spiritualität ins Gespräch zu kommen.
11.1.2027 | 19.00 -21.15 Uhr
Der unbekannte Jesus – Die Kindheitsevangelien zwischen Frömmigkeit, Legende und Theologie
Die Evangelien berichten ausführlich vom öffentlichen Wirken Jesu, seinem Tod und seiner Auferstehung. Über seine Kindheit und Jugend erfahren wir dagegen erstaunlich wenig. Schon früh wollten Christinnen und Christen diese Lücke füllen. So entstanden zahlreiche Kindheitsevangelien, die bis heute Kunst, Liturgie und Volksfrömmigkeit beeinflussen. Im Mittelpunkt stehen das Jakobusprotovangelium mit seinen Erzählungen über Maria, Joachim und Anna sowie die Geburt Jesu, das Kindheitsevangelium des Thomas mit seinen oft überraschenden Geschichten über den jungen Jesus, das Pseudo-Matthäusevangelium mit seinen Wundergeschichten während der Flucht nach Ägypten sowie orientalische Kindheitsevangelien aus syrischer, arabischer und armenischer Tradition.
Wir gehen der Frage nach, welche Hoffnungen, Glaubensvorstellungen und theologischen Anliegen hinter diesen Erzählungen stehen und weshalb Menschen das Bedürfnis hatten, mehr über die verborgenen Jahre Jesu zu erfahren.
22.02.2027 | 19.00 – 21.15 Uhr
Judas: Verräter oder Vertrauter? – Das Judasevangelium
Kaum eine Gestalt des Neuen Testaments ist so umstritten wie Judas Iskariot. Seit Jahrhunderten gilt er als Inbegriff des Verräters. Das Judas-Evangelium erzählt jedoch eine völlig andere Geschichte. Hier erscheint Judas nicht als Gegner Jesu, sondern als derjenige Jünger, der Jesu wahre Sendung versteht und auf dessen Bitte hin handelt. Der Abend führt in die Entdeckungsgeschichte dieses außergewöhnlichen Textes ein und fragt nach seinem theologischen Hintergrund. Welche Vorstellungen von Erlösung und Offenbarung stehen hinter dem Judas-Evangelium? Warum übt die Figur des Judas bis heute eine solche Faszination aus? Und was verrät der Text über die unterschiedlichen Strömungen des frühen Christentums?
15.03.2027 | 19.00 -21.15 Uhr
Was geschah Ostern?! - Auferstehung und Offenbarung in den Apokryphen
Die Auferstehung Jesu bildet das Herzstück des christlichen Glaubens. Doch auch hier erzählen die Apokryphen weiter, wo die neutestamentlichen Schriften enden. Im Petrusevangelium begegnen wir einer eindrucksvollen Schilderung des Ostermorgens, die weit über die biblischen Berichte hinausgeht. Das Maria-Evangelium und das Apokryphon des Jakobus berichten von Gesprächen mit dem Auferstandenen und von besonderen Offenbarungen für ausgewählte Jüngerinnen und Jünger.
Wir gehen der Frage nach, wie die ersten Christen die Auferstehung verstanden haben, welche Hoffnungen sich mit Ostern verbanden und warum gerade die Erscheinungen des Auferstandenen zu den kreativsten und vielfältigsten Themen der frühen christlichen Literatur gehören.
12.04.2027 | 19.00 – 21.15 Uhr
Maria Magdalena: Die Apostelin der Apostel? – Das Maria-Evangelium
Maria Magdalena gehört zu den faszinierendsten Gestalten der christlichen Tradition. Während sie in den Evangelien als Zeugin von Kreuzigung und Auferstehung erscheint, wird sie in apokryphen Schriften zu einer bedeutenden Trägerin von Offenbarung und geistlicher Autorität. Im Maria-Evangelium tritt sie als Gesprächspartnerin des Auferstandenen auf und gerät in Konflikt mit anderen Jüngern.
Der Abend fragt danach, welche Rolle Frauen in den frühen Gemeinden spielten, welche Stimmen möglicherweise im Laufe der Kirchengeschichte in den Hintergrund traten und welche Bedeutung diese Texte für aktuelle Diskussionen über Autorität, Leitung und geistliche Erfahrung besitzen.
24.05.2027 | 19.00 – 21.15 Uhr
Jesus als Lehrer der Weisheit – Das Thomasevangelium
Das Thomasevangelium gehört zu den bekanntesten Funden von Nag Hammadi. Anders als die neutestamentlichen Evangelien erzählt es keine Lebensgeschichte Jesu, sondern versammelt geheimnisvolle Jesusworte. Viele dieser Logien wirken vertraut, andere überraschen durch ihre ungewohnte Sprache und Spiritualität. Im Mittelpunkt des Abends steht die Frage, welches Jesusbild hier sichtbar wird. Ist Erlösung vor allem eine Frage der Erkenntnis? Liegt das Reich Gottes bereits verborgen im Menschen? Welche Nähe und welche Unterschiede bestehen zu den Evangelien des Neuen Testaments?
Durch die gemeinsame Lektüre ausgewählter Texte und deren Vergleich mit biblischen Überlieferungen eröffnen sich spannende Einblicke in die Vielfalt frühchristlicher Spiritualität.
14.06.2027 | 19.00 – 21.15 Uhr
Die Perle im Herzen des Menschen - Das Philippusevangelium und die Sprache der Mystik
Das Philippusevangelium gehört zu den spannendsten Schriften aus Nag Hammadi. Es erzählt keine Geschichte Jesu, sondern versammelt geheimnisvolle Gedanken über Liebe, Erkenntnis, Sakramente, Auferstehung und die Vereinigung des Menschen mit Gott. Viele Aussagen wirken überraschend modern und berühren Fragen nach Identität, Ganzheit und spiritueller Reifung.
Der Abend fragt danach, was Erlösung bedeutet und wie Menschen Gottes Gegenwart erfahren können. Im Gespräch mit ausgewählten Texten wird sichtbar, dass das frühe Christentum nicht nur von Glaubenssätzen, sondern auch von der Suche nach innerer Verwandlung geprägt war.
Zum Abschluss der Reihe richtet sich unser Blick zum auf die Entstehung des Neuen Testaments. Warum wurden manche Schriften Teil der Bibel, andere dagegen nicht? Nach der Auseinandersetzung mit ausgewählten Schriften der Apokryphen diskutieren wir die wichtigsten Kriterien der Kanonbildung. Dabei geht es nicht nur um historische Entscheidungen der Alten Kirche, sondern auch um die Frage nach Wahrheit, Autorität und Vielfalt im Christentum. Was können die Apokryphen heute noch zum Verständnis Jesu und der frühen Kirche beitragen? Welche Einsichten haben sie bewahrt, und welche Gründe sprachen gegen ihre Aufnahme in den Kanon?
Der Abend lädt zu einer Bilanz der gesamten Reihe ein und eröffnet zugleich neue Perspektiven auf die Entstehung und Bedeutung der christlichen Bibel.
Herzliche Einladung zur Teilnahme!
Kosten entstehen nicht. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Neugier genügt!
ReferentIn
Nachweis: norton/rsxiStock

