Moscheegemeinden in der postmigrantischen Gesellschaft
Vortrag und Gespräch mit dem Karl Arnold-Preisträger 2026 Dr. Halil Emre Uçar
Wer entscheidet eigentlich, was in einer Religionsgemeinschaft als richtig, verbindlich oder selbstverständlich gilt? Wie verändern sich religiöse Überzeugungen und Traditionen, wenn neue Generationen andere Erfahrungen machen? Und was erzählen uns die Entwicklungen in muslimischen Gemeinden über die Herausforderungen einer vielfältigen demokratischen Gesellschaft?
Moscheegemeinden in Deutschland stehen mitten in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Migrationserfahrungen, unterschiedliche Generationen, kulturelle Prägungen und neue Vorstellungen von Zugehörigkeit treffen aufeinander. Dabei geht es nicht nur um die Bewahrung religiöser Traditionen, sondern auch um Fragen von Autorität, Identität, Mitbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe. Was geschieht, wenn unterschiedliche Auffassungen von Religion aufeinandertreffen? Wie werden Konflikte ausgetragen? Und unter welchen Bedingungen kann aus Verschiedenheit ein konstruktives Miteinander entstehen?
Der Sozialwissenschaftler Dr. Halil Emre Uçar von der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster hat diese Fragen in seiner frisch erschienenen Dissertation „Moscheegemeinden in der postmigrantischen Gesellschaft“ untersucht. Für seine herausragende Forschungsarbeit wurde er im Oktober 2026 mit dem Karl Arnold-Preis der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste ausgezeichnet.
Am Beispiel zweier unterschiedlich geprägter Moscheegemeinden zeigt Uçar, wie religiöse Wahrheitsansprüche entstehen, wie Traditionen weitergegeben und verändert werden und welche Bedeutung soziale Milieus, Migrationserfahrungen und generationelle Unterschiede dabei haben. Seine Forschung eröffnet differenzierte Einblicke in muslimische Lebenswelten jenseits vereinfachender Zuschreibungen und verbreiteter Vorstellungen über den Islam.
Doch die Fragen reichen weit über muslimische Gemeinden hinaus: Wie gehen Religionsgemeinschaften mit innerer Vielfalt und unterschiedlichen Wahrheitsansprüchen um? Welche Rolle spielen Offenheit, Anerkennung und demokratische Streitkultur? Und was können Christen und Muslime aus diesen Erkenntnissen für ihre Begegnungen und das gesellschaftliche Zusammenleben lernen?
Im anschließenden Gespräch mit Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder und dem Publikum werden die Forschungsergebnisse mit aktuellen gesellschaftspolitischen und interreligiösen Fragen verbunden.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, eigene Vorstellungen kritisch zu reflektieren, Vorurteile zu hinterfragen und Perspektiven für einen respektvollen Dialog in einer pluralen Demokratie zu entwickeln.
Referent: Dr. Halil Emre Uçar, Post Doc am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Fachdidaktik der Islamisch-Theologische Fakultät der Universität Münster
Moderation und Gespräch: Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder, Theologin, Leiterin der Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken
Kosten
12,- € inkl. Imbiss und Getränke
Anmeldung
Synodalbüro des Ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken
st-bildung@ekvw.deTel. 01573 2479826Bohlenstiege 34, 48565 Steinfurtbis 15.02.2027
Nachweis: Springer Verlag

