Wenn Gottesnähe Mitmenschlichkeit weckt
Islamische Mystik vom Propheten Mohammed bis heute
biWas bedeutet es, Gott zu suchen? Kann Glaube den Menschen verändern? Und welche Bedeutung haben Spiritualität, Mitgefühl und Verantwortung in einer Zeit, in der viele Menschen nach Orientierung, Sinn und Zusammenhalt suchen?
Die islamische Mystik, oft als Sufismus bezeichnet, gehört zu den faszinierendsten Traditionen des Islam. Seit den Anfängen der islamischen Geschichte suchen Mystikerinnen und Mystiker nach einem Glauben, der nicht bei äußeren Formen stehen bleibt, sondern den ganzen Menschen erfasst: Verstand und Herz, Gebet und Alltag, Gottesbeziehung und Verantwortung für die Welt.
Der Einführungsvortrag lädt zu einer verständlichen und lebendigen Entdeckungsreise durch die Geschichte der islamischen Mystik ein, von den spirituellen Impulsen des Propheten Mohammed über bedeutende Persönlichkeiten wie Rābiʿa al-ʿAdawiyya, al-Ghazālī, Ibn ʿArabī und Rūmī bis hin zu gegenwärtigen Stimmen islamischer Spiritualität. Dabei geht es nicht nur um historische Entwicklungen, sondern auch um Fragen, die Menschen heute bewegen: Was gibt meinem Leben Orientierung? Wie kann ich innerlich wachsen? Was trägt in Zeiten von Unsicherheit und Veränderung?
Im Mittelpunkt steht eine Erfahrung, die die islamische Mystik seit ihren Anfängen prägt: Die Suche nach Gott führt nicht weg vom Menschen, sondern tiefer zu ihm hin. Mystik fragt danach, wie der Mensch von innen her verwandelt wird – und wie aus Gottesnähe Mitmenschlichkeit erwächst. Sie versteht Glauben deshalb nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als Kraft, die Menschen befähigt, achtsamer, gerechter und verantwortlicher zu leben.
Die großen Mystikerinnen und Mystiker des Islam waren nicht nur Suchende, sondern auch Menschen, die sich den Herausforderungen ihrer Zeit stellten. Ihre Texte und Erfahrungen kreisen um die Frage, wie Spiritualität das Leben prägen kann: in der Begegnung mit anderen Menschen, im Einsatz für Gerechtigkeit, im Umgang mit Konflikten und in der Verantwortung für das Gemeinwohl. Die Frage nach Gott wird dabei untrennbar mit der Frage verbunden, wie wir miteinander leben wollen.
Gerade darin liegt die überraschende Aktualität der islamischen Mystik. Sie spricht von Herzensbildung in einer Zeit der Ablenkung, von Menschlichkeit angesichts von Ausgrenzung und Polarisierung und von Hoffnung dort, wo Resignation droht. Sie erinnert daran, dass Spiritualität und gesellschaftliches Engagement keine Gegensätze sind. Wer Gott sucht, entdeckt zugleich die Verantwortung für den Mitmenschen. Aus der Beziehung zu Gott erwächst die Aufmerksamkeit für die Würde jedes Menschen und die Bereitschaft, nicht wegzusehen, wo Unrecht, Leid oder Ausgrenzung geschehen.
Der Abend eröffnet einen Zugang zu einer oft wenig bekannten Seite des Islam und lädt dazu ein, über die Verbindung von Glaube, Menschlichkeit und gesellschaftlichem Handeln ins Gespräch zu kommen. Er zeigt, wie religiöse Traditionen Orientierung geben können, ohne einfache Antworten zu liefern, und wie spirituelle Wege dazu beitragen können, das eigene Leben und die gemeinsame Welt bewusster zu gestalten.
Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zum Austausch und zur gemeinsamen Diskussion.
Herzliche Einladung!
Kosten
8,- €
ReferentIn
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Münster
Anmeldung
Synodalbüro des Ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken
st-bildung@ekvw.deTel. 01573 2479826Bohlenstiege 34, 48565 Steinfurtbis 5.11.2026
Nachweis: kutaytanir

