Zwischen Klöstern, Welterbe und Zeitgeschichte
Bildungsreise in den Harz
Mittelalterliche Städte und Klöster, UNESCO-Welterbe und eindrucksvolle Landschaften, der Brocken als Schauplatz deutscher Teilung und die Gedenkstätte Mittelbau-Dora als Ort nationalsozialistischer Gewaltgeschichte: Kaum eine Region verbindet Natur, Kultur, Religions- und Zeitgeschichte auf so engem Raum wie der Harz.
Sechs Tage lang gehen wir diesen Spuren nach. Unser Ausgangspunkt ist Halberstadt am Nordrand des Harzes. Von dort führen unsere Wege nach Werningerode und Quedlingburg, auf den Brocken, nach Goslar, in den Südharz und zum Kloster Walkenried.
Auf der Rückreise besuchen wir die Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede. Dabei wollen wir nicht nur sehen, sondern verstehen: Wie haben Religion, politische Macht und wirtschaftliche Interessen Gesellschaften und Landschaften geprägt? Wie entsteht kulturelles Erbe? Was erinnern wir und warum? Wie gehen wir mit den Erfahrungen von Diktatur, Gewalt und Zwangsarbeit um? Welche Rolle können Klöster und religiöse Orte in einer modernen Gesellschaft spielen? Fachkundige Führungen und Einführungen, eigene Erkundungen, Gespräche und gemeinsame Reflexionen machen den Harz zum vielfältigen Lernort.
Das gemeinsame Unterwegssein prägt diese Tage darüber hinaus auf besondere Weise. Wer den Tag bewusst beginnen und ausklingen lassen möchte, findet dazu Gelegenheit bei kurzen Morgen- und Abendimpulsen. Gedenken, Texte, Musik und Zeite der Stille nehmen Erfahrungen des Weges und der besuchten Orte auf und schaffen Raum im Innehalten.
Programm:
Tag 1 | Montag, 13.09.2027 | Anreise mit Stopp in Kassel-Wilhelmshöhe
Am Morgen starten wir mit dem Reisebus in Steinfurt und in Münster. Unser erster Halt ist der Bergpark Wilhelms-höhe in Kassel. Das UNESCO-Welterbe mit seiner außergewöhnlichen Gartenarchitektur und den monumentalen Wasserkünsten zeigt eindrucksvoll, wie Landschaft gestaltet und dabei Vorstellungen von Natur, Schönheit, Repräsentation und Herrschaft sichtbar werden.Nach einer Mittagspause und Zeit für eigene Erkundungen fahren wir weiter nach Halberstadt und zu unserer Unterkunft für die kommenden Tage.
Ca. 16:30 Uhr Bezug der Zimmer im Hotel Ambiente, 18:00 Uhr Abendessen
Tag 2 | Dienstag, 14.09.2027 | Klosterwelten – Drübeck, Ilsenburg und Wernigerode
Bei einer Führung lernen wir zunächst Halberstadt kennen, eine Domstadt mit historischem Flair, versteckten Schätzen und einer lebendigen Kulturlandschaft. Hier findet man nicht nur beeindruckende Bauwerke und einzigartige Kunstprojekte, sondern auch eine entspannte Atmosphäre abseits des Massentourismus. Unser Hotel liegt am Rande der Innenstadt, ca. 15 Min. Fußweg bis zum Dom. Kurze Busfahrt zum Kloster Drübeck. Bei einer Führung lernen wir das Kloster und seine wechselvolle Geschichte kennen. Wie lebten Menschen an diesem Ort? Welche Bedeutung hatten Klöster für Bildung, Wirtschaft und gesellschaftliche Entwicklung? Und was veränderte sich durch Reformation und Säkularisierung? Anschließend folgen wir einem Abschnitt des Harzer Klosterwanderweges. Unterwegs wird sichtbar, wie eng Religion, Siedlungsgeschichte und Kulturlandschaft miteinander verbunden sind. Ein besonderer Ort auf dieser Strecke ist das ehemalige Benediktinerkloster Ilsenburg, dessen romanische Klosterkirche von der Bedeutung der mittelalterlichen Klosterkultur erzählt. Danach geht es nach Wernigerode. Fachwerkhäuser, historisches Rathaus und Schloss eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Stadtgeschichte: auf Handel und Handwerk, Bürgertum und Herrschaft sowie auf die Frage, wie historische Entwicklungen das Erscheinungsbild einer Stadt bis heute prägen.
Tag 3 | Mittwoch, 15.09.2027 | Quedlinburg – Gernrode – Bodetal
Heute führt uns der Weg nach Quedlinburg. Die UNESCO-Welterbestadt mit ihrem außergewöhnlichen Fach-werkbestand und dem Stiftsberg lässt mehr als tausend Jahre deutscher und europäischer Geschichte anschaulich werden. Quedlinburg ist eng mit Heinrich I. und den Ottonen verbunden. Bei unserer Führung richtet sich der Blick deshalb auch auf das Verhältnis von Religion und politischer Herrschaft. Wie entstand Macht im Mittelalter? Wie wurde sie legitimiert und öffentlich dargestellt? Und wie entstehen Erinnerungsorte, deren Bedeutung über Jahrhunderte weitergetragen und immer wieder neu gedeutet wird? Nach der Mittagspause bleibt Zeit, die historische Altstadt selbst zu erkunden. Auf dem weiteren Weg besuchen wir Gernrode mit der Stiftskirche St. Cyriakus, einem herausragenden Zeugnis ottonischer Architektur und mittelalterlicher Religionsgeschichte. Am Nachmittag erreichen wir Thale. Mit der Kabinenbahn geht es über das Bodetal hinauf zum Hexentanzplatz. Hier treffen eindrucksvolle Natur, Sagenwelt und moderner Tourismus aufeinander. Was ist historische Überlie-ferung, was spätere Inszenierung? Und warum sind Mythen bis heute wichtig für das Selbstbild und die touristische Vermarktung einer Region?
Tag 4 | Donnerstag, 16.09.2027 | Der Brocken – Grenze, Landschaft und Freiheit – Goslar
Von Wernigerode fahren wir mit der historischen Harzer Schmalspurbahn auf den 1.141 Meter hohen Brocken. Bereits die Fahrt durch den Nationalpark eröffnet Perspektiven auf die touristische und technische Erschließung des Harzes und auf den Wandel einer über Jahrhunderte vom Menschen genutzten Landschaft. Der Brocken ist zugleich ein besonderer Schauplatz deutscher Zeitgeschichte. Während der deutschen Teilung lag der Gipfel im militärischen Sperrgebiet der DDR und war für die Bevölkerung nicht zugänglich. Heute lässt sich hier unmittelbar nachvollziehen, wie politische Systeme Landschaft und Lebensräume verändern und welche Bedeutung Grenzen, Bewegungsfreiheit und ihre Überwindung für Menschen haben. Nach einem Picknick und Zeit für eigene Erkundungen fahren wir weiter nach Goslar. Die ehemalige Kaiser- und Bergbaustadt erzählt vom engen Zusammenhang zwischen Rohstoffen, wirtschaftlichem Wohlstand und politischer Macht. Bei einer Führung durch die historische Altstadt wird sichtbar, wie eng politische Macht, wirtschaftlicher Wohlstand und gesellschaftliche Entwicklung miteinander verbunden waren.
Tag 5 | Freitag, 17.09.2027 | Mittelbau-Dora und Walkenried – Erinnerung, Verantwortung und neue Perspektiven
Dieser Tag setzt einen besonderen zeitgeschichtlichen Schwerpunkt. In der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora beschäftigen wir uns mit nationalsozialistischer Verfolgung, Zwangsarbeit und Rüstungsproduktion. Tausende KZ-Häftlinge wurden unter menschenverachtenden Bedingungen zur Arbeit gezwungen; viele von ihnen verloren ihr Leben. Eine fachkundige Führung erschließt die Geschichte des Ortes und nimmt zugleich den Umgang mit dieser Vergangenheit nach 1945 in den Blick. Was wurde erinnert, was verdrängt? Welche Verbindungen bestanden zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik? Welche Verantwortung erwächst daraus – und welche Bedeutung haben Gedenkstätten heute für historische Bildung und eine demokratische Erinnerungskultur? Am Nachmittag führt unser Weg durch die Kulturlandschaft des Südharzes zum ehemaligen Zisterzienserkloster Walkenried. Die eindrucksvolle Anlage eröffnet eine ganz andere historische Perspektive: Die Zisterzienser prägten Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Bergbau und damit die wirtschaftliche und landschaftliche Entwicklung einer ganzen Region. So wird sichtbar, wie eng Religion, Arbeit, technische Innovation und die Nutzung natürlicher Ressourcen bereits im Mittelalter miteinander verbunden waren. Im Zisterzienser Museum Kloster Walkenried begegnet uns zugleich zeitgenössische Kunst. Eine Lichtinstallation des westfälischen Künstlers Ludger Hinse setzt im historischen Raum einen besonderen Akzent. Licht verändert Räume, lenkt Wahrnehmung und eröffnet neue Zugänge zu vertrauten Orten. Nach den Erfahrungen des Vormittags kann daraus ein spannender Kontrast entstehen und ein Anlass, über Erinnerung, Menschlichkeit und Zukunft nachzudenken.
Tag 6 | Samstag, 18.09.2027 | Königsmünster – Klosterleben im 21. Jahrhundert
Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Halberstadt. Vor Beginn des Tagesprogramms besteht noch einmal die Möglichkeit zur Teilnahme an einem kurzen freiwilligen Morgenimpuls. Auf der Heimreise besuchen wir die Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede. Nach den historischen Klosterwelten von Drübeck, Ilsenburg und Walkenried begegnen wir hier einer lebendigen Ordensgemeinschaft. Bei einer Führung durch Kirche und Klostergelände erfahren wir, wie Benediktiner heute leben und arbeiten. Welche Bedeutung kann ein Kloster im 21. Jahrhundert haben – als religiöser Ort und Gemeinschaft, als Bildungsstätte und Wirtschaftsbetrieb und als Raum gesellschaftlicher Begegnung? Damit schlägt der letzte Reisetag einen Bogen von der Geschichte der mittelalterlichen Klöster bis zu gegenwärtigen Formen klösterlichen Lebens. Bei Kaffee und Kuchen lassen wir die gemeinsamen Tage ausklingen. Anschließend treten wir die Rückfahrt nach Münster und Steinfurt an.
Reiseleitung
Eva Pieper-Rapp-Frick (Münster), spirituelle Begleitung durch Angela Saget (Nottuln)
Kooperation
Die Reise führen wir in Kooperation mit unserem Partnerreisebüro reiseart (Münster) durch.
Kosten
Kosten: 1.285,- € im DZ p. P.
1.505,- € im EZ
Eingeschlossene Leistungen:
Fahrt im komfortablen Reisebus ab/bis Steinfurt und Münster in den Harz, 5x Übernachtung im Hotel Ambiente in Halberstadt mit Frühstück, 5x Abendessen im Hotel, alle Führungen und Eintritte, Berg- und Talfahrt mit der Schmalspurbahn zum Brocken, Berg- und Talfahrt vom Bodetal zum Hexentanzplanz, Picknick auf dem Brocken, Kaffeegedeck im Kloster Königsmünster, Reiseleitung durch Eva Pieper-Rapp-Frick, spirituelle Begleitung durch Angela Saget
Nicht eingeschlossene Leistungen:
Getränke zu den Mahlzeiten, Mahlzeiten, die nicht im Programm erwähnt sind, Reiseversicherungen
Wir empfehlen den Abschluss einer Reiserücktritt- /Reiseabbruchversicherung!
Stornobedingungen:
bis 100 Tage vor Reisebeginn: 20%
ab 99. bis 65. Tag vor Reisebeginn: 50%
ab 64. bis 50. Tag vor Reisebeginn: 75%
ab 49 Tage vor Reisebeginn: 95%
Anmeldung
Synodalbüro des Ev. Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken
st-bildung@ekvw.deTel. 01573 2479826Bohlenstiege 34, 48565 Steinfurtbis 31.05.2027
Nachweis: Heiko Küverling

