Die Offenbarung an Johannes. Hoffnung in bewegten Zeiten
Ökumenische Bibelwoche 2027
Drachen und Engel, sieben Siegel und Posaunen, kosmische Bilder und das himmlische Jerusalem: Die Johannesoffenbarung ist ein faszinierendes und zugleich anspruchsvolles Buch der Bibel. Sie spricht von Gericht und Bedrohung, ebenso jedoch von Trost, Hoffnung und einer neuen Welt. Sie erzählt nicht einfach vom Ende der Welt. Sie stellt vielmehr die entscheidende Frage: Wer hat das letzte Wort über die Welt: die Mächtigen dieser Zeit oder Gott?
Die Johannesoffenbarung entstand in einer Zeit politischer und religiöser Spannungen. Ihre verschlüsselte Bildsprache war für die ersten christlichen Gemeinden eine Sprache des Glaubens, der Ermutigung und des Widerstands gegen Mächte, die sich selbst als unüberwindbar darstellten.
Gerade deshalb ist sie bis heute interessant: Sie fragt nach Macht und Ohnmacht, nach Treue und Hoffnung, nach Gericht und Gerechtigkeit und nach Gottes Gegenwart in einer bedrohten Welt.
An zwei Abenden erschließen wir die Johannesoffenbarung im Horizont ihrer Zeit, in ihrer theologischen Tiefe und im Gespräch mit unserer Gegenwart.
Zwei Abende – zwei Perspektiven
Donnerstag, 14. Januar 2027, 19.30 Uhr
Dorothee-Sölle-Haus, Eintritt frei
Sehen, was verborgen ist – Eine Einführung in die Offenbarung an Johannes
Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder (Theologin, Leitung der Ev. Erwachsenenbildung Steinfurt-Coesfeld-Borken)
Was geschieht, wenn ein Mensch seine Gegenwart im Licht Gottes zu sehen beginnt? Die Johannesoffenbarung erzählt von einer Wirklichkeit, die sich nicht im unmittelbar Sichtbaren erschöpft. Sie öffnet einen anderen Blick auf Welt und Geschichte, auf Macht und Ohnmacht, Gericht und Gerechtigkeit, Bedrohung und Hoffnung.
Doch was bedeutet „Offenbarung“ eigentlich? Was wird hier sichtbar und was bleibt dem menschlichen Blick entzogen? Wer ist Johannes, der von seinen Visionen erzählt? In welcher Welt leben die Gemeinden, an die er schreibt? Und warum wählt er eine so überwältigende Bildsprache?
Wir entdecken gemeinsam ein Buch, das von Gott, Christus und der Zukunft der Schöpfung spricht und zugleich von der Frage, wie Menschen ihren Glauben bewahren können, wenn die Wirklichkeit dagegenzustehen scheint.
Was hat es mit den sieben Siegeln, den Posaunen, dem Drachen, dem Lamm und dem neuen Jerusalem auf sich? Welche theologischen Horizonte eröffnen diese Bilder? Und was könnte es heißen, dass Offenbarung nicht einfach Zukunft vorhersagt, sondern Wirklichkeit aus einer anderen Perspektive sehen lässt?
Donnerstag, 21. Januar 2027, 19.30 Uhr
Dorothee-Sölle-Haus, Eintritt frei
Eine Hoffnung, die widersteht – Die Offenbarung an Johannes heute
Pfarrer Olaf Goos
Die Johannesoffenbarung ist ein Buch für Menschen, die unter Gewalt, Bedrohung und Unterdrückung leiden. Sie widerspricht Mächten, die sich absolut setzen, und lebt von der Hoffnung, dass Gewalt, Unrecht und Tod nicht das letzte Wort behalten. Zugleich ist ihre Bildsprache von exzessiver Gewalt geprägt. Sie spricht vom Zorn Gottes und vom Gericht über die Mächte des Bösen und schildert deren endgültige Vernichtung in drastischen Bildern.
Wir erleben eine Zeit, in der Gewalt, Verfolgung und Krieg in der Welt zunehmen. Wie können wir damit umgehen? Wie lässt sich die Widerstandskraft von Menschen stärken, die Gewalt und Krieg erfahren, ohne dass sie selbst zu Tätern werden?
Der zweite Abend fragt nach der Aktualität der Johannesoffenbarung: Wie können wir ihre Bilder heute lesen, ohne sie politisch oder religiös zu missbrauchen? Wie vertragen sich ihre Visionen von Gericht und Vernichtung mit dem Gebot der Feindesliebe? Was hat christliche Hoffnung mit Widerstandskraft zu tun? Und welche Vorstellungen von Gott, Christus, Gericht und Erlösung tragen diesen ebenso verstörenden wie hoffnungsvollen Text?
Sonntag, 24. Januar 2027, 11.00 Uhr
Ökumenischer Gottesdienst zur Johannesoffenbarung in St. Mariä Himmelfahrt Ahaus (Pfarrer Stefan Jürgens, Pfarrer Olaf Goos, Dr. Esther Brünenberg-Bußwolder)
Die Johannesoffenbarung erzählt von einer Welt, in der Vertrautes zerbricht. Sie spricht von Macht und Gewalt, von Gericht und Bedrohung und von einer Hoffnung, die sich nicht mit dem Sichtbaren begnügt.
Zum Abschluss der ökumenischen Bibelwoche feiern wir Gottesdienst in St. Mariä Himmelfahrt. Ihre besondere Gestaltung nimmt Motive der Johannesoffenbarung auf und eröffnet einen eigenen Zugang zu ihren Bildern und Fragen.
Was wird sichtbar, wenn wir anders auf die Wirklichkeit schauen? Was bleibt, wenn Sicherheiten schwinden? Woher kommt Hoffnung, wenn die Gegenwart sie nicht zu bestätigen scheint? Und was heißt es, auf Gottes Zukunft zu vertrauen, ohne zu wissen, wie sie aussehen wird?
Die ökumenische Bibelwoche wird gemeinsam veranstaltet von der Evangelischen Kirchengemeinde Ahaus, der Katholischen Kirchengemeinden St. Marien Ahaus und der Evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken.
Bildnachweis: Elena Ebinger / iStock

